Die Arbeit mit Menschen mit schweren Vermittlungshemmnissen im Auftrag des Jobcenters
Interview mit der Fallmanagerin Frau Hessling
Bereits seit 2013 betreut der SKM im Auftrag des Jobcenters im Umfang einer halben Stelle Menschen mit schweren Vermittlungshemmnissen. Die Beauftragung erfolgt in jedem Einzelfall direkt in einem persönlichen Gespräch im Jobcenter durch den Fallmanager. Es wurden jährlich zwischen 25 und 32, in 2025 31 Klienten unsererseits betreut. Im Interview erläutert Frau Hessling die Gründe der Beauftragung.
Frage 1: Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit dem SKM im Rahmen des Projektes?
Als sehr positiv und hilfreich, vor allem mit schwer erreichbaren Personen ist dies oft die einzige Möglichkeit der Kontaktaufnahme, weil die Arbeit des SKM aufsuchend und niedrigschwellig ist.
Frage 2: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie bei der Zielgruppe, die an den SKM vermittelt wird? Bei welchen Einzelfällen denken Sie an die Zusammenarbeit mit dem des SKM?
In der Regel sind dies Personen, die schwer zu erreichen sind, die „Multiproblemfälle“, die einfach die Kapazitäten im FM übersteigen. Fast in allen Fällen sind Abhängigkeitserkrankungen sowie andere psychische Erkrankungen im Spiel und ausschlaggebend dafür, dass Post nicht mehr geöffnet wird etc.
Frage 3: Welche Befürchtungen bestehen, wenn keine (weitere) Anbindung erfolgt?
Dass weitere Verwahrlosung/ Vernachlässigung bzw. eine weitere Verfestigung der individuellen Problemlagen stattfindet, die bei einzelnen Menschen soweit gehen kann, dass diese sich nur noch unzureichend um sich kümmern. Das kann bedeuten, dass diese es nicht schaffen grundlegende Bedarfe und Bedürfnisse zu erledigen, wie Rechnungen zu bezahlen, keinen WBA stellen, die Wohnung verlieren, ggf. durch Nicht- Versorgung eine psychische Ausnahmesituation entsteht.
Frage 4: Wo sind die Grenzen der Hilfestellung des Jobcenters?
Die Grenzen sind zum einen zeitlich zu sehen – jeder FM hat eine hohe Zahl an Fällen, um die er oder sie sich kümmern muss, da kann z.B. ein Termin nicht zum Ordnen von Post oder Vorbereiten von Unterlagen für die Schuldnerberatung genutzt werden. Ich kann z.B. auch nicht mit Kunden eine Wohnung suchen. Bei solche und anderen Hilfestellungen die nicht unmittelbar durch uns als Fallmanager geleistet werden können, gehört es zur Beratung, zielgerichtet Zugänge zu weiterführenden Hilfesystemen zu eröffnen. Dies bildet dann auch häufig die Grundlage dafür, die Menschen im Anschluss wieder gezielt in meine Beratung/ die Beratung des FM einzubeziehen und weitere Schritte in Richtung Arbeitsmarktintegration zu erarbeiten. Denn das Hauptintegrationsziel bleibt stets bestehen, nämlich dass die erwerbsfähigen Menschen in Arbeit gebracht werden.
Frage 5: Hat sich der Bedarf oder die Zielgruppe in der Vergangenheit verändert? (Alter Diagnose, Geschlecht)
Ich kann das nicht durch Zahlen belegen oder auf jahrelange Erfahrung zurückblicken – es fällt aber auf, dass es immer mehr von diesen „Multiproblem- Fällen“ gibt – wo es wirklich um vielschichtige, ineinander verwobene Probleme geht, wo man die ausgeprägten Problemlagen ganzheitlich betrachten muss und nicht „nur“ wegen einem Handlungsfeld z.B. der Schuldenproblematik oder der Gesundheitsproblematik tätig werden muss. In solchen Fällen reicht es nicht mehr aus allein einen Arzt einzubinden, sondern alles gleichzeitig spielt eine Rolle. Zudem ist die Situation im Gesundheitssystem und auch auf dem Wohnungsmarkt herausfordernd und spiegelt sich natürlich auch in der Situation unserer Kunden wider. Die Kunden bekommen in teils wirklich dringenden Fällen keinen Arzttermin, haben lange Wartezeiten, vor allem für psychisch Erkrankte ist dies eine Situation, in der viele einfach irgendwann „aufgeben“.
Zudem ist die Angst vor Obdachlosigkeit heute keine Situation mehr, in der sich nur einige wenige Menschen befinden, sondern eine Sorge, die sich durch alle Kundengruppen zieht und auch Menschen betrifft, die sich vor 5 oder 10 Jahren niemals solche Gedanken gemacht hätten (z.B. Ehepaar, beide erkrankt, kurz vor Renteneintritt durch Kündigung).
Frage 5: Wodurch unterscheidet sich die Zielgruppe von anderen Klienten des JC?
Vor allem unterscheidet sie sich durch 1. Nicht- Erreichbarkeit, Unzuverlässigkeit, Schwierigkeiten, verlässliche Kontakte aufrechtzuerhalten 2. Viele Problemlagen/ Handlungsfelder gleichzeitig, 3. Psychische Grunderkrankung.
Frage 6: Welche Veränderungen nehmen Sie bei den Klienten wahr, die an den SKM angebunden sind? In welchen Bereichen profitieren die Klienten besonders?
Es wird wieder eine Basis geschaffen, Lebensqualität hergestellt, damit andere Hilfe/ Hilfesysteme sowie unsere Arbeitsmarktberatung überhaupt greifen können und somit eine Stabilität – psychisch, persönlich und/ oder familiär – hergestellt werden kann. D.h. es sind viele Bereiche des Lebens betroffen und sind so bei einigen Kunden die „Initialzündung“ eine neue Perspektive beruflich aber auch persönlich entwickeln zu können.
Frage 7: In welchen Bereichen profitiert das Jobcenter besonders?
Die Kunden schaffen in der Regel mit der Hilfe des SKM dann die Anträge vollständig und problemlos zu stellen, sowie die Termine im FM wahrzunehmen. Zudem ist die Entlastung auch im Hinblick auf die psychische Belastung im Fallmanagement zu betrachten. Durch das ineinandergreifen verschiedener Unterstützungsangebote entsteht das Gefühl, Anliegen und Problemlagen zielgerichtet an die Träger weitergeben zu können, die hierfür eine besondere Expertise und die entsprechenden Ressourcen haben. Dadurch reduziert sich das Spannungsfeld zwischen den wahrgenommen Unterstützungsbedarf der Kunden und den eigenen zeitlichen Möglichkeiten im Beratungsalltag. Gleichzeitig bleibt dadurch mehr Zeit, um sich auf die Kernaufgaben des Fallmanagements zu kümmern.
Frage 8: Trägt das Projekt aus Ihrer Sicht zur Stabilisierung der Leistungsbeziehenden bei?
Ja, auf jeden Fall.
Frage 9: Wie bewerten Sie die Kommunikationswege zwischen dem Jobcenter und dem SKM?
Gut, es gibt einen guten Austausch und das Anmelden neuer Kunden ist in der Regel unproblematisch.
Geführt wurde das Interview von Stefanie Wegner
